Lavendel – die kleine Hausapotheke
Wir kennen ihn alle und sind doch immer wieder überrascht, wie sein Duft wohltut, entspannt und unsere Nase zum Lächeln bringt. Dass es aber unterschiedliche Lavendeldüfte zu entdecken gibt, wissen nur wenige. Gehen wir gemeinsam auf die Reise in eine faszinierende Landschaft und zu einer faszinierenden Pflanze.

Geschichte
Lavendelöl war bereits Bestandteil im Balsam der Pharaonen. Im antiken Rom räucherten die Menschen ihre Häuser mit Lavendel und im Mittelalter badeten die Adligen im Blütenwasser. Ein richtiger Lavendelboom entstand jedoch erst anfangs des 20. Jahrhunderts. Damals gab es eine grosse Landflucht. Nur noch wenige Bauern lebten von den kargen Böden in den provenzalischen Bergen. Die brachliegenden Felder und das Karstland erlaubten es dem wilden Lavendel aus seinen Nischen auszubrechen und die Bergmassive nördlich von Grasse und Marseille zu bevölkern. Zur selben Zeit entwickelte sich in den Städten die Seifen- und Parfümindustrie, die nach immer mehr Duftöl verlangte.
Für die arme Landbevölkerung eröffnete sich eine neue Einkommensquelle. Ihre Schafe und Ziegen unterstützten sie dabei. Sie grasten den Wildwuchs um den Lavendel und düngten ihn gleichzeitig. Die Wildernte war allen erlaubt, nur der Erntebeginn wurde festgelegt. Es soll Pflücker gegeben haben, die bis 100 kg im Tag ernteten.
Dann begann die Zeit des Kultivierens mit Kreuzungen und Anbauformen. Auf allen Bergmassiven nördlich von Grasse und Marseille wurde nun der wilde Lavendel angebaut, den kultivierten Lavendel nannte man Lavendel fein. Dieser wanderte von den Bergen in die Ebenen und wurde zur «Feldfrucht».

Merkmale
Die Gattung des Lavendels (Lavandula) gehört zur Familie der Lippenblütler so wie Rosmarin, Salbei und Basilikum. Es gibt 25–30 Arten. Die ätherischen Öle befinden sich in den Blüten des aromatischen, graubefilzten Zwergstrauchs. Die winterharte Pflanze kann 10–20 Jahre überdauern. Der Name dürfte vom lateinischen lavare stammen, was so viel wie Waschen heisst. Wir unterscheiden:
- Wilder Berglavendel (Lavandula angustifolia)
- Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
Der wilde Berglavendel
In Frankreich in der Haute-Provence liegt Montagne d’Angèle. Dort wird auch heute noch wilder Berglavendel geerntet und destilliert. Die Einheimischen nennen ihn Lavande spontanée. Sein Duft ist klar, blumig und krautig.
Während der Sommermonate steigen die Lavendelbauern ausgestattet mit Sichel und Leinenumhang bis auf 1800 Meter Höhe, um die Pflanzen zu schneiden. Abends bringen sie die Stauden ins Tal, wo das frische Kraut direkt vor Ort mit einer mobilen Destille verarbeitet wird.
Der Lavendel fein
Der Lavendel fein wird auch echter Lavendel genannt. Er ist der kultivierte wilde Berglavendel.
Sein ätherisches Öl besteht zu grossem Teil aus Linalylacetat (Ester). Dessen Eigenschaften verleihen ihm sein Entspannungspotential. Er hat weist ähnliche Eigenschaften auf wie der wilde Berglavendel.
Der Lavendel fein wächst auf den Hügeln der Haute-Provence zwischen 600 und 1400 Metern Höhe. Er ist winterhart und deshalb auch bei uns in den Gärten zu finden. Die erste Ernte ist erst nach zwei bis vier Jahren möglich. Spätestens nach zehn Jahren braucht es neue Pflanzungen. Heute macht die Ernte des echten Lavendels in der Provence weniger als 10 % aus. Er hatte schon im letzten Jahrhundert einen übermächtigen Konkurrenten bekommen.

Die grössten Anbaugebiete finden sich heute nicht mehr in Frankreich sondern in Bulgarien. Wer Lavendelfelder in der Schweiz erleben möchte, kommt in Wangen an der Aare oder im Südjura rund um Bassins auf seine Rechnung.
Qualitätsgarantie AOP
Unsere Lavendel fein aus Frankreich tragen das Label AOP (Appellation d’Origine protégée), wie wir es von Weinen und Olivenölen kennen. Herkunft und Qualität werden vom staatlichen französischen «Institut National des Appellations d’Origine» überwacht. Um das Label zu erlangen, unterliegen die Öle auch einem olfaktorischen Test von sieben regionalen Experten und Expertinnen. Zu Beginn werden die vorgeschriebenen Anteile von Kampfer, Linalool und 12 anderen Inhaltsstoffen überprüft. Weiter spielt die geografische Herkunft eine grosse Rolle. Das Label gilt nur für die 255 Dörfer der Départemente Drôme, Vaucluse, Hautes-Alpes und Alpes de Haute-Provence (oberhalb von 800 Metern über dem Meeresspiegel). Pflanzen und Samen müssen im hofeigenen Kreislauf verbleiben. Ein Detail: Häufig bleiben die Bauern selbst während der Destillation vor Ort, um sicherzustellen, dass es zu keiner Vermischung mit fremden Ölen kommt.
Ätherisches Öl und Pflanzenwasser Profil
Die Eigenschaften und Anwendungsbereiche der beiden ätherischen Öle Lavendel wild und Lavendel fein entsprechen sich im Wesentlichen. Der Duft des wilden Berglavendels ist jedoch intensiver und auch ein wenig herber. Beide ätherischen Öle bestehen zum grossen Teil aus Linalylacetat (Ester). Dessen Eigenschaften verleihen ihm sein Entspannungspotenzial.
Das Lavendel Pflanzenwasser umhüllt mit seinem klaren, sanften Duft und schenkt inmitten des Alltags ein Gefühl von Ruhe, Geborgenheit und Leichtigkeit. Ein paar Sprühstösse genügen, um Haut und Sinne zu erfrischen, den Tag sanft ausgleiten zu lassen und die Gedanken zu ordnen.
Anwendungsbereiche
Ein ätherisches Öl welches in jede Hausapotheke gehört. Ideal für einen ruhigen und ausgeglichenen Tag. Bei Stress und Angespanntheit sorgt sein Duft für eine wohlige Nachtruhe. Auch oft verwendet in lauen Sommernächten, da unliebsame Nachtschwärmer den Duft so gar nicht mögen. Ebenfalls ist es bei vielen Hautthemen und in der Alterspflege eine erste Wahl. Anwendung auf der Haut nur verdünnt und nach fachlicher Anleitung.
Das Pflanzenwasser dient als zarte Pflege nach Sonne oder Rasur, als belebendes Gesichtswasser oder feiner Raumspray. Sein Duft schafft eine Atmosphäre von Reinheit, Balance und Entspannung. Besonders am Abend entfaltet das Lavendelwasser seine wohltuende Sanftheit und erinnert daran, loszulassen und in die Stille zu finden. Auf langen Flugreisen bewahrt es die Haut vor dem Austrocknen, hält sie feucht, lässt sie frisch und gepflegt erscheinen.
Eigenschaften
entspannend, stimmungshebend, ermutigend
- schenkt Ruhe und entspannte Momente
- unterstützt das Nervenkostüm
- reguliert bei Reizüberflutung und Emotionsstau
- besänftigt und tröstet
Gewinnung
Die kalkhaltigen, wasserdurchlässigen Böden und das trockene Klima reichen der genügsamen Pflanze, die vor allem eines braucht: Sonne. So bringen sonnige Südlagen auch die gehaltvollsten Erträge. Der Lavendel kommt zwar auch bei uns zu schöner Blüte, kann aber nie die Duftwerte der Provence erreichen. Grosse Anbaugebiete befinden sich heute auch in Bulgarien. Inzwischen gibt es auch viele kleinere Anbauprojekte, zum Beispiel im Schweizer Jura.
Viele Lavendelbauern haben auf den Bio-Anbau umgestellt. Dafür müssen sie zuerst ihre Felder drei Jahre ruhen lassen, damit sich diese von Pestiziden und Insektiziden erholen können. Die Samenpflanzen werden selber gezogen und weitere drei Jahre gehegt und gepflegt, bis sie das Unkraut selber verdrängen und zu voller Blüte kommen. Bis dahin heisst es unermüdlich hacken und jäten, eine harte, unverzichtbare Handarbeit im biologischen Landbau, da auf jegliche Herbizide verzichtet wird. Bei guten Bedingungen sind acht Erntejahre möglich, bevor es eine Neupflanzung braucht. Geduld bringt...Lavendel.
Die Ernte dauert je nach Gebiet von Mitte Juni bis Mitte August. Sie wird mit Ausnahme des handgeernteten wilden Berglavendels maschinell betrieben. Der Ölgehalt ist am grössten, wenn mehr als die Hälfte der Blüten geöffnet sind. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation der blühenden und frisch geschnittenen Rispen gewonnen.
DIY-Ideen
Abendbad «Nachtruhe»
- 10 Tropfen ätherisches Öl Lavendel fein
- 1 Esslöffel Rahm
Rahm mit dem ätherischen Öl gut mischen und ins einlaufende Badewasser geben. Besonders wohltuend als Abendritual vor dem Schlafengehen.
Reisebegleiter
- 1–2 Tropfen ätherisches Öl Lavendel fein
- 1 Taschentuch
Das ätherische Öl Lavendel fein auf das Taschentuch geben und vor dem Flug oder bei Bedarf daran riechen. Perfekt für die Duft-Auszeit für unterwegs und auf Reisen.
Sommerbegleiter
- Aromavernebler (z.B. Ella, Sophie)
- Einige Tropfen (je nach Raumgrösse) ätherisches Öl Lavendel fein
Insekten mögen den Duft des Lavendels nicht. In einem Aromavernebler ist Lavendel somit ein idealer Begleiter in lauen Sommernächten.
Ruhe
erleben
Passende Pflanzenporträts
Passende DIY-Ideen
Passende Themenwelten